
"Mushishi" ist der Film zur gleichnamigen Manga/Anime-Serie,
der 2006 von Katsuhiro Otomo (AKIRA, Steamboy) komplett als Realfilm produziert wurde
und März 2007 in die jap. Kinos kam.
Die Film-Fassung verwendet vor allem die Anime-Episoden 3, 7, 12, 20 und erzählt somit
die Geschichte von Ginko dem Mushi-Gelehrten und praktizierenden Heiler.
Eine englische DVD-Fassung erschien Februar 2008.
(NACHTRAG: siehe dazu eine persönliche Rezension unten.)
Der Film wurde von Englisch-sprachigen Kritikern ziemlich ambivalent aufgenommen und vorallem
wegen seiner Langsamkeit verrissen. Böse Zungen behaupteten sogar, dass im Trailer bereits
sämtliche Action-Szenen zu sehen waren. Hauptkrux scheint vorallem die Dramaturgie der Inszenierung
zu sein, die den in den Einzelgeschichten präsentierten Spannungsbögen
einfach nicht gerecht werden will bzw. diese dem Zuschauer schlichtweg verweigert.
So ging es im Original noch darum, in jeder Episode anhand eines Schicksalsgezeichneten neue
Facetten des Mushi-Mysteriums zu zeigen und dessen Geheimnis zu lüften. Dabei wurde es immer wieder spannend,
ob es Ginko diesmal schaffen wird, den Leidenden zu erlösen, was ihm aber nicht immer gelang,
wobei im Serienverlauf nach und nach auch etwas von seiner Geschichte erzählt wurde.
Der Film dagegen "leiert" eher nur die Geschichte Ginkos herunter
und bedient sich dabei in Rückblenden dem Stoff altbekannter Episoden.
Ein weiterer "Bug", zumindest der engl. Fassung, ist leider ihr Titel, denn da heißt der Film
unpassend bzw. irreführend "Bugmaster" und auch in der englischen Syncro soll immer nur von "bugs" die Rede sein.
Nun ja, dann hat der Film auch wenigstens auch einen echten "bug" drin.
Denn, auch wenn "Mushi" im normalen jap. Sprachgebrauch "Insekt(en)" bzw. irgendwelche konkreten "Käfer" bezeichnet,
hat es hier doch die alternative, tiefsinnigere Bedeutung von "Naturell",
womit speziell die "Charakterzüge des Lebens auf niedrigster Ebene" gemeint sind,
wie es Ginko in Episode 1 erklärt.
Damit bleibt als Fazit: das Original ist top, der Film nur ein Flopp.
Für den geneigten Kenner des Animes/Mangas könnte er aber eventuell noch als
nette Reminiszenz funktionieren und ihn um eine andere, reale Sicht auf Japans
Landschaften und der ihr innewohnenden Mushi-Bevölkerung bereichern.
Eine Werbung für den Anime/Manga ist der Film leider nicht, sondern eher das Gegenteil.
NACHTRAG: Eine eigene Rezension nach dem Anschauen des Films.
Mal das Positive zuerst: Die Schauspieler/Köstüme sehen ganz passend aus, die Ausstattung sehr authentisch
und die Landschaftsszenen wirken sehr natürlich. Es gibt vier Hauptrollen. Nur leider
kommt gerade Ginko arg schwach daher. Ihm fehlt zB. die Gewitzheit und das fachmännische Getue,
was seinen Charakter doch sehr sympatisch machte. Stattdessen wird er zum Vom-Fluch-Getriebenen
degradiert. Tanyuu und der "Sohn des Regenbogens" sind da wesentlich besser.
Der Film geht mit über 2 Std. ziemlich lange, plätschert größtenteils aber gemächlich vor
sich hin wie ein Bach. Nur ab und zu passiert er kurzzeitig eine Stromschnelle, die etwas
Spannung mit sich bringt. Das Gerücht, alle "Action-Szenen sind (kurz) im Trailer zu sehen", ist wahr.
Action ist allerdings kein Mushishi-Merkmal, sondern das Mysterium der Mushi. Zu diesen
gibt es einige Szenen, die schwerpunktmäßig aber eher aufs Gruseln statt auf Phantastisches setzen.
Formal sehen sie zumeist so aus wie transparente Schlieren/Schmierflecken, also ziemlich banal.
Was dem Film leider völlig abgeht, ist eine Dramaturgie, die auch nur ansatzweise versuchen würde,
ein zielgerichtetes Mindestmaß an Spannung oder wenigstens eine mitfiebernde Anteilnahme beim
Zuschauer aufzubauen. Mit anderen Worten: hier wird das krasse Gegenteil jeden Hollywoodfilms geboten,
was theoretisch sogar ein Lob sein könnte, nur eben nicht so.
Denn was zB. sehr ärgert, ist, dass vom Mushi-Mysterium selbst insgesamt weniger erklärt wird,
als in der Anime-Episode 1, womit der Film ausschließlich für Kenner des Manga/Anime ein bisschen verständlich ist.
Jeder andere Zuschauer dürfte sich schon bald eher genervt und schließlich heillos im Stich gelassen fühlen.
Immer dann, wenn überhaupt mal etwas erklärt wird, geschieht das so kurz in 1-2 Sätzen,
dass man selbst mit Vorkenntnissen kaum kapiert, was da in der Filmversion nun gerade los war.
Apropos Story:
Das erste Drittel handelt von den Geräuschefressern (Ani-Episode 3) und ist ziemlich
originalgetreu umgesetzt. Dazwischen wird Ginkos Kindheitsgeschichte (Ani-Episode 12) eingestreut.
Dass diese aber eine andere Zeitebene darstellt, wird nicht mal andeutungsweise erwähnt.
Ginkos Geschichte und wie er zum vom Tokoyami-verfluchten Getriebenen wurde, wird im
Mittelteil mit Tanyuus Geschichte (Ani-Episode 20) verknüpft, wobei die Kausalitäten
relativ geschickt neu verteilt werden, so dass tatsächlich kurzfristig mal etwas Neues und
halbwegs Interessantes passiert. Doch dieser an sich recht dramatische Handlungsstrang löst sich
viel zu unspektakulär auf, denn Ginko muss halt wieder los auf Reisen. Diesmal mit dem
Regenbogenmann (Ani-Episode 7) und leider genauso lahm wie zu Beginn.
Das Ende folgt anschließend als überlanger Epilog, in dem
- achja, es gab eine kleine Parallelhandlung - diese mit dem Haupthandlungsstrang
von Ginkos Fluch zusammengeführt wird, ohne das Ganze aber befriedigend aufzulösen,
so dass man recht ratlos auf die Abspannrolle starrt.